Übersichtskarte

So meine Freunde...

Sonntag, 08.05.2011

Vier Wochen ist es schon wieder her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet hab. Mein lieber Schwan, die Zeit fliegt aber auch wirklich mittlerweile! Mal sehen, was sich alles getan hat, seit meinem letzten Eintrag..

Am besten rollen wir den Fisch mal von hinten auf. Immer interessant ist es ja, über das Wetter zu reden. Schnee und Eis sind zwar schon lange dem Frühling zum Opfer gefallen, aber so richtig warm ist es momentan trotzdem nicht. Heute war es besonders kalt und die Höchsttemperatur lag bei +5°C. Vor zwei Wochen oder so waren es allerdings auch mal zwei Tage lang fast +30°C und letzte Woche hat es dann auch mal wieder einen Tag lang geschneit. Man darf also gespannt sein, was der Wetterfrosch demnächst noch an überraschenden Wendungen für mich parat hält. Diese extremen Temperaturschwankungen sind jedenfalls ziemlich anstrengend, zumal die Heizung in der Uni, in Geschäften und sonstigen Orten des öffentlichen Lebens traditionell auf 7000° eingestellt ist. Ganz im Gegensatz zu meiner Heizung zuhause, die glücklicherweise auf Temperaturen geeicht ist, unter denen kohlenstoffbasierte Lebewesen nicht auf kurz oder lang zugrunde gehen.

Letzten Freitag haben wir mal wieder einen Ausflug gemacht. Diesmal ging es ins Planetarium. Dass unser Besuch auch den höchsten Ansprüchen genügt hätte, kann man zwar nicht unbedingt behaupten, aber irgendwo geht es bei solchen Gelegenheiten ja auch mehr darum, etwas mit der Gruppe zu unternehmen. Und mit insgesamt 130 Rubeln (3.20€) haben wir uns auch nicht unbedingt dumm und dämlich bezahlt.
Wie dem auch sei, nachdem wir jedenfalls im Keller unsere Jacken und Taschen an der Garderobe abgegeben hatten und uns mit Mühe und Not am Souvenirstand vorbeigepirscht hatten, ohne ein Andenken mit dem Konterfei des allgegenwärtigen Juri Gagarin zu erstehen, führte man uns durch das Treppenhaus, welches gemäß den örtlichen Gepflogenheiten unter Verzicht auf Zollstock und Wasserwaage gefertigt wurde, in den ersten Stock.
Hier fand der erste unserer zwei heutigen Programmpunkte statt. Man geleitete uns in einen runden Raum mit einer großen Kuppel. An diese Kuppel wurde nun in modernsten Computeranimationen (man wähnte sich im Vorspann eines Computerspiels aus den Neunzigern) ein Film über unser Sternensystem projiziert, während uns ein Mitarbeiter des Planetariums über die Eigenheiten der einzelnen Planeten aufklärte. War eigentlich ganz gut, aber wenn man in jungen Jahren schon entsprechende Sachbücher gelesen hat, ist es nicht wirklich neu zu erfahren, dass der Merkur der heißeste Planet ist, der Jupiter der größte usw. Für Amusement sorgte bei mir auch, dass in dem Film der Pluto noch als Planet unseres Sonnensystems aufgezählt war, der Film also mindestens 7 Jahre alt sein musste.
Nach dieser Darbietung führte man uns aufs Dach, wo sich die nächste Schwierigkeit offenbarte: Da das Planetarium nämlich keine nächtlichen Führungen anbietet, gab es in der Mittagssonne schlichtweg nichts zu sehen. Aber zum Glück war unser wahrscheinlich nerdigster Planetariumsmitarbeiter aller Zeiten trotzdem mit Feuereifer bei der Sache. Zuerst zeigte er uns verschiedene Gebäude in der Umgebung in 100facher Zoomstufe, bevor er uns dann seinen größten Trick vorführte: Er richtete das Teleskop auf das Gegenüberliegende verspiegelte Gebäude, sodass man im Teleskop nur seinen eigenen Kopf sehen konnte. Wenn man nun hindurchsah, machte er einem just in diesem Moment mit zwei Fingern Hasenohren, um anschließend ob des gelungenen Scherzes wie ein wahnwitziger zu kichern. Außerdem sahen wir uns noch die Sonne durch einen speziellen Filter an. Meine Lehrerin Dascha hatte vorher noch gescherzt, die Sonne könnte man sich durchs Teleskop nur zwei Mal angucken. Ohne Filter hätte sie wohl recht gehabt, nachdem alle einmal durch das Teleskop geguckt hatten, wurde dieser nämlich entfernt und jeder durfte nochmal die Hand davor halten. Wenn man die Hand nur kurz davor hält, verbrennt man sich sofort die Pelle! Von einem handelsüblichen Augapfel würde nach ein paar Sekunden wohl nur noch eine glibbrige Masse übrigbleiben. Und unser Planetariumsmitarbeiter mit 5cm dicker Brille und eingemeißeltem Grinsen unter dem Schnauzbart hätte die Schweinerei wegmachen müssen.
Hier noch ein paar Bilder:
Uhr mit altslawischem ZiffernblattDie SonneIch und meine Kursgenossen Martin & Chi-TingIn der Mitte meine Lehrerinnen Mascha und DaschaWas treiben die bloß?
Auf dem ersten Bild ist eine Uhr mit einem Ziffernblatt mit Ziffern in altslawischer Schrift zu sehen. Davon gibt es in ganz Russland angeblich nur drei Stück.
Das zweite Bild zeigt die Sonne durch den Filter im Teleskop. Nicht so aufregend eigentlich.
Auf dem dritten Bild bin ich mit meinen Sprachkurskollegen Martin und Chi-Ting zu sehen, auf dem vierten Bild sind in der Mitte meine beiden Lehrerinnen Mascha und Dascha zu sehen, links eine andere Lehrerin namens Nina und rechts wieder Chi-Ting.
Das fünfte Bild mag auf den ersten Blick den Anschein erwecken, irgendwer hätte hier den Verstand verloren. Sinn der Sache war allerdings, dass man von der Person die eigentlich richtig ins Teleskop guckt die Augen in Großaufnahme sehen kann. Hinter dem Teleskop steht übrigens unser ulkiger Sternenforscher.

Nach dem Planetariumsbesuch hatte ich zuhause nur kurz Zeit um etwas zu essen, bevor ich schon wieder los musste. Man hatte mich nämlich zu dem unregelmäßig tagenden englischsprachigen Diskussionsclub eingeladen, welcher an diesem Tag zum Thema "Young people and war" stattfand. Anfangs war die Diskussion etwas verhalten, aber zum Ende hin kam dann doch etwas Diskussionsfreudigkeit auf. Nicht zuletzt lag dies daran, dass ich und ein anderer deutscher Student namens Martin (mittlerweile der dritte mit dem Namen, den ich kenne), vermehrt fachliches beizutragen wussten, als sich die Diskussion Richtung Rechtmäßigkeit verschiedener kriegerischer Handlungen der jüngeren Vergangenheit bewegte. Als ein wenig Fahrt aufkam, war die Zeit leider schon wieder rum, dafür machte ich allerdings im Anschluss ein paar neue Bekanntschaften. Man überlegte nun, was anschließend zu tun sei, schließlich sei "Pitniza" (ein Wortspiel, bei dem aus Pjatniza, welches Freitag, der fünfte Tag bedeutet, der Tag des Trinkens wird). Ich musste nach Hause, weil ich schon etwas vorhatte, also beschloss man, gemeinsam ein Stück in meine Richtung zu laufen. Und schon hatte ich wieder etwas gelernt - weil der Winter hier nämlich so lang und kalt ist, der Frühling und Sommer dagegen ziemlich kurz, hat man hier in der wärmeren Zeiten vor allem eine Lieblingsbeschäftigung: Laufen. Einfach nur kreuz und quer durch die Stadt marschieren, solange das Wetter sich dazu eignet.
Kaum zuhause angekommen, musste ich auch schon wieder los, weil wir uns schon um acht Uhr in der Kneipe trafen. Danach ging es dann weiter in einen Club und im Morgengrauen nach Hause. Leider hatten wir nicht den üblichen Club aufgesucht, sodass ich dort angesichts der horrenden Getränkepreise zum ausnüchtern gezwungen war. Dafür liefen über der Theke auf großen Flachbildschirmen die alten Star Trek-Filme, was auch nicht zu verachten ist.

Wie man dem letzten Absatz entnehmen kann, verbringe ich meine Wochenden nicht mehr alleine in meinem Zimmer, sondern habe endlich mal ein paar Leute kennengelernt, mit denen ich mich treffen kann. Mit den Leuten aus dem Wohnheim für ausländische Studenten hat es ja nie so richtig geklappt, weil man da immer so sehr hinterher rennen muss und ich das eigentlich gar nicht gerne tue. Wenn man dann allerdings erst mal ein paar andere Leute kennengelernt hat, lernt man auch schnell noch mehr Leute kennen. Umso bedauernswerter ist es, dass über die Hälfte meiner Zeit hier schon rum ist. Überhaupt möchte ich allen kleinen und großen Widrigkeiten zum Trotz nur sehr ungern hier weg. Nach drei Monaten lebt man sich eben doch irgendwie erst so richtig ein. Dazu kommt, dass diese Stadt es mir irgendwie angetan hat. Zwar entpuppt sich Tomsk bei genauerem Hinsehen als längst nicht so große Stadt, wie die bloße Einwohnerzahl von 500.000 es vermuten lässt, weil rundherum praktisch nur Pampa ist. Aber irgendwie ist es gerade diese Mischung aus großer Stadt und Gemütlichkeit, die mir so gut gefällt. Aber lassen wir die philosophische Schwelgerei lieber beiseite, sonst bring ich bis zur Schlafenszeit nur noch drei Sätze zustande.

Also mal überlegen, was ist noch so passiert... Ach ja richtig, wir waren im Theater! Jeder kennt sie, die hohen kulturellen Errungenschaften auf den und für die russischen Bühnen - das Bolschoi-Theater, das Moskauer Ballett, der Schwanensee.. Letzterer jüngst wieder in höchstmöglicher Dramatik in Hollywood für die Lichtspielhäuser dieser Welt neu aufgelegt...
Wir Sprachkursstudenten putzten uns also anlässlich dieses exquisiten Ereignisses eigens heraus, nahmen ein Bad mit echter Seife, trugen das wohlriechendste Mundwasser auf, zimmerten uns die gute Sonntagskleidung auf den Leib und fanden uns am Treffpunkt ein. Nach guten fünf Minuten Fußmarsch waren wir auch schon angekommen:
Eingang zum TheatergeländeDas Theatergebäude
Fairerweise muss ich allerdings sagen, dass uns schon im Vorfeld bekannt war, dass wir nicht ins Stadttheater gehen, sondern in eine Art kleines, alternatives Theater. Zu sehen gab es schließlich einen Puppenspieler, der gemeinsam mit sich mechanisch bewegenden und sprechenden Puppen sowie einer Handpuppe ein Stück aufführte. Im inneren war es allerdings leider zu dunkel, um anständige Fotos zu machen.
Bevor wir ins Theater gingen, trafen wir uns am Лагерный Сад (Lagernij Sad, Lagergarten oder so ähnlich). Dieser Park ist im Prinzip ein riesiges Denkmal für die Tomsker Opfer des zweiten Weltkrieges. In der Mitte steht ein riesengroßes Denkmal mit zwei mindestens fünf Meter hohen Steinskulpturen, rundherum sind Steinwände, auf denen die Namen der Gefallenen stehen. Der Weg von der Straße zum Park ist mit Lautsprechern gesäumt, die regelmäßig irgendwelche Marschmusik spielen. Hinter dem Park schließlich liegt noch ein Ausläufer des namensgebenden Flusses Tom (Oder ist es der Hauptfluss? Keine Ahnung.) und dann fängt auch schon die Taiga an. Bis zum Horizont ist nur ein kleines Dörfchen direkt auf der anderen Seite des Flusses zu sehen. Zum ersten Mal kann ich die gigantischen Dimensionen erahnen, die dieses Land hat. In Deutschland muss man eigentlich immer nur geradeaus laufen, wenn man sich verlaufen hat und irgendwann trifft man auf Zivilisation. Wenn man sich hier in der Wildnis verläuft, ist man wahrscheinlich verloren.

Großes KriegsdenkmalGedenkfeuerTaiga direkt hinter dem StadtrandStadtrand
Auf dem ersten Bild sind die Steinskulpturen zu sehen. Darüber was sie darstellen sollen, waren wir geteilter Meinung. Die Mehrheit war der Meinung, die Mutter nehme ihrem Sohn der gerade aus dem Krieg heimkehrt die Waffe aus der Hand. Für mich sieht es allerdings eher so aus, als ob besagter Sohn zur Begrüßung erst mal ne tüchtige Schelle kassiert.
Als nächstes sehen wir das Gedenkfeuer zum Fuße des Denkmals, das seit Errichtung des Denkmals ununterbrochen brennt. Ständig sieht man Leute, die mit andächtigem Blick Münzen in die Flammen werfen und auch wir wollten uns diesen Spaß nicht nehmen lassen. Auf die Frage, was das ganze eigentlich solle, wusste jedoch keiner von meinen Mitstreitern eine Antwort. Sogar meine Lehrerinnen waren in dieser Frage uneins.
Das dritte und das vierte Bild zeigen den Blick über die Anfang April noch halbverschneite Taiga und den noch halb zugefrorenen Fluss.

In der darauffolgenden Woche wollten wir es uns abermals nicht nehmen lassen, einen Gruppenausflug zu bestreiten und besuchten das "Erste Museum der slawischen Mythologie". Wirklich viel scheint diese aber nicht herzugeben, weshalb das erste Museum auch das letzte seiner Art sein dürfte. Das Museum bestand nämlich lediglich aus einem Verkaufsgang und einem einzigen Ausstellungsraum. Für ein paar gute Fotos hat es aber dennoch gereicht:
Mythologie der unzüchtigeren ArtWer hat die Pose besser drauf?Der Ausstellungsraum von der einen Seite...und von der anderen Seite.
Ich denke, die Bilder sprechen diesmal für sich. Auf den ersten beiden stehe ich eben neben zwei Ausstellungsstücken, die anderen beiden zeigen den Ausstellungsraum von der nordwestlichen und der südwestlichen Ecke aus.

Nach dem Museumsbesuch jedenfalls folgte der eigentliche Höhepunkt des Tages. Ich wusste nicht, was ich tun soll, also ging ich einfach mit meiner Kommilitonin Hie-Sin mit, die sich am Flussufer mit Freunden traf. Die Sonne schien, es herrschten über 20° und der bis vor kurzem noch gefrorene Fluss taute wie verrückt.
Fluss im FrühlingEisschollen auf dem Weg gen NordenBeschtes Bild.Ausblick nach Norden außerhalb des Tumults
Rein optisch war dieser Nachmittag definitiv der schönste nach dem Ende des Winters. Das dritte Bild gefällt mir am besten. Irgendwie ist es schon verrückt, wenn es so warm ist, dass man im T-Shirt rumlaufen kann, aber gleichzeitig noch überall Schnee liegt und der Fluss voll mit Eisschollen ist.

Dieser Tag war im übrigen der erste richtig warme Tag des Jahres. Und es ist äußerst interessant, anzusehen wie sich die Stadt verändert, wenn die Temperaturen um über 40° in die Höhe schnellen. Plötzlich ist es warm, man kann das Haus verlassen ohne sich vorher in dicke Winterklamotten einzupacken. An solchen Tagen begibt sich der gemeine Tomkser auf die Straße, geht spazieren, schlotzert Bier, spachtelt Schaschlik und lässt sich scheinbar auch gerne mal das eine oder andere blaue Auge verpassen.
Zumindest sind das die Eindrücke, die ich gewinnen durfte. Dass die Straße doch etwas belebter ist, lässt sich unschwer feststellen. Die allgemeine Trinkfreudigkeit unterscheidet sich auch etwas von heimischen Gepflogenheiten. So erscheint es hier keineswegs asozial, bei hellichtem Tage mit einer Flasche Bier auf der Bank zu sitzen oder durch die Straße zu schlendern. Auch Schaschlik als Nahrungsmittel erfreut sich größerer Beliebtheit, wenn es wärmer ist und man draußen sitzen kann. Und was die blauen Augen angeht - so richtig habe ich nocht nicht mitgekriegt, bei welchen Gelegenheiten man sich die zufügt, aber es ist doch sehr auffällig, dass man mit steigenden Temperaturen mehr und mehr davon zu sehen bekommt. Interessanterweise bei Männern jedweden Alters und Typs. Jedenfalls scheint es keinerlei Aufmerksamkeit zu erregen, mit einem etwas lädierten Gesicht durch die Gegend zu laufen.

Nun gut, ich bin mittlerweile ganz schön müde und muss morgen früh wieder raus. Vorher will ich euch aber noch ein paar Bilder vom Sommeranfang nicht vorenthalten:
UferpromenadeStraßenmusik und TanzTschechow, der alte Babbsack
Hier sieht man zunächst zwei Bilder, die das bunte Treiben an der Uferpromenade widerspiegeln. Auf dem ersten ist die Hood am flanieren, auf dem zweiten tanzt ein älteres Ehepaar zu der Musik einer Straßenband.
Das dritte Bild zeigt mich mit dem Denkmal an den Besuch des berühmten Schriftstellers Anton Pawlowitsch Tschechow, der über Tomsk nur schlechtes zu berichten wusste und zu dessen Ehren deshalb ein etwas verunglimpfendes Denkmal errichtet wurde. Nichtsdestotrotz soll einem ein Sohn geboren werden, wenn man des guten Mannes Nase reibt, weshalb diese auch ausgesprochen golden glänzt.

So lässt sichs leben..Die Uni im FrühlingWenn Tüv-Mann dreimal klingeltEin lustiges Sechstett

Das erste Bild zeigt mich in der sibirischen Frühlingssonne. So ein Bild hättet ihr von Anfang April nicht erwartet, was? Momentan lädt das Wetter allerdings gar nicht mehr auf den Balkon ein.
Auf dem zweiten Bild sehen wir mal wieder das Uni-Hauptgebäude. Diesmal allerdings in der Frühlingssonne. Unten im Bild befindet sich ein Schild welches besagt, Rauchen und Alkoholgenuss seien auf dem Unigelände verboten.
Das dritte Bild zeigt eines der vielen professionell reparierten Autos im Straßenverkehr. Man sieht hier ja so einiges, aber dieses Teil übertrifft echt alles! Da würde jeder deutsche TÜV-Beamte seinen Herzschrittmacher verschlucken.
Auf dem letzten Bild schließlich sieht man die lustige Partie mit der wir am Flussufer unterwegs waren. Abgesehen von den beiden koreanischen Mädels, die das Foto gemacht haben. Neben mir steht David, der Kolumbianer mit dem ich seit diesem Tag am Wochenende immer unterwegs bin.

So, jetzt bin ich nach vier Stunden Schreibmarathon wirklich fix und fertig.

Bis die Tage, ich geh pennen!

Der Winter geht, der Frühling kommt

Samstag, 02.04.2011

So meine Freunde, bei mir hält mittlerweile auch der Frühling Einzug. Nach deutschen Maßstäben wäre es zwar bei den momentan herrschenden +/-0° noch Winter, aber hier fühlt es sich wirklich nach Frühling an, wenn mittags die Sonne rauskommt. Dann sitzen die Leute sogar draußen auf den Bänken und essen Eis. Allzu oft ist das aber noch nicht der Fall. In der Regel friert es nachts noch, morgens schneit es und mittags regnet es. Abends schneit es dann wieder und nachts friert der ganze Schlamassel zu. Morgens früh muss man dann aufpassen, dass man sich nicht schon auf der Treppe vorm Haus auf die Schnauze legt. Die letzten Tage war es allerdings schon so warm, dass man sich auf der Straße nicht mehr so sehr vor lebensgefährlichen Eisflächen in acht nehmen musste. Der Schnee ist mittlerweile auch größtenteils weggetaut und ich frage mich, was die ganzen Leute die im Winter den lieben langen Tag lang Schnee schippen und Eis hacken wohl im Sommer machen. Ich habe sogar schon zum ersten Mal sibirisches Gras zu sehen bekommen. Und gestern habe ich zum ersten Mal jemandem im T-Shirt rumlaufen sehen! Bei 1°C...

Ein kleiner Weg im Winter...und der gleiche Weg heute mittag.Ein Denkmal für irgendeinen Typ mit Locken im Winter...und das gleiche Denkmal gestern Mittag.

Die Bilder vermitteln hoffenlich einigermaßen einen Eindruck, wie es momentan aussieht. Da jetzt die ganzen Schneemassen wegtauen, ist es ziemlich ungemütlich auf der Straße. Überall Matsch, tiefe Pfützen und die Busse spritzen das Dreckwasser über die Gehwege. Meine Winterstiefel zahlen sich jedenfalls ein zweites Mal aus und wann ich auf normale Schuhe umsteigen kann, ist noch nicht absehbar.

Gestern hatten wir keinen Unterricht, sondern haben zusammen mit einem anderen Sprachkurs das Музей истории Томска - Museum der Geschichte von Tomsk besucht. Trotz der erst 400 Jahre währenden Geschichte dieser schönen Stadt hätte man allerdings doch vielleicht etwas mehr aus dem Museum rausholen können. Obwohl wir ziemlich getrödelt haben, waren wir nach ungefähr einer Stunde durch.
Im ersten Raum des Museums gab es erst mal etwas über die Geschichte Sibiriens zu hören und zu sehen.
Staredown mit einem sibirischen Krieger....über dessen Schuhe unsere Lehrerinnen so gelacht haben, dass sie den Raum verlassen mussten.
In den nächsten beiden Räumen gab es dann ein paar historische Werkzeuge zu sehen, Landkarten und ein paar etwas modernere Gebrauchsgegenstände.
Ein Modell von der ersten Festung von Tomsk im Jahre 1604.'Trap for young of wild animal'Antiker sibirischer Abfalleimer
Anschließend gab es noch die obligatorische Preisung der glorreichen Sowjetmacht und der großen Erfolge in der Raumfahrt zu sehen. Den Abschluss der Führung bildete schließlich ein Raum der vollgestopft war mit altem Kinderspielzeug.
Na, wer erkennt ihn?Fleisch aus der Tube - so kommt der Raumfahrer zu seinem morgendlichen Brechreiz.Njam-Chuu begrüßt den Kosmonauten.Ein zugegebenermaßen etwas gruseliges Kinderspielzeug.
Als die Führung beendet war, durften wir noch auf den Aussichtsturm gehen und die prächtige Aussicht genießen.
Die Feuerwache - Holzauge sei wachsam!Der Blick über die Stadt in Richung Südosten.Direkt hinter der Kirche mit den goldenen Spitzen auf den Türmen wohne ich.Der Leninplatz von Osten aus betrachtet. Im Hintergrund ist der immer noch halb gefrorene Fluss zu sehen.
Schön war es. Und vor allem hatten wir keinen Unterricht an diesem Tag. Eine Win-Win Situation also für Studenten und Lehrerin. Und Sprachpraxis bekam ich trotzdem, weil ich der einzige Deutsche an diesem Tag war. Wie man auf den folgenden Fotos sehen kann.
Die Jungs aus meinem Kurs.Und zum Schluss noch ein Gruppenbild.Genau hier wurde laut Inschrift übrigens Tomsk gegründet.
Auf dem ersten Bild bin ich mit den anderen Jungs aus meinem Kurs zu sehen. In der vorderen Reihe von links nach rechts: Njam-Chuu, Wan-Shuljan und Dshen-Julje. Wie der oben rechts neben mir heißt, weiß ich gerade nicht mehr. Njam-Chuu ist Mongole, die anderen sind Chinesen. Und Wan-Shuljan und Dshen-Julje nennen sich der besseren Verständnis halber auf russisch Anton und Pjetja.
Auf dem zweiten Bild ist die ganze Gruppe zu sehen. Auch noch aus meinem Kurs sind Chi-Ting, das Mädel oben links in der roten Jacke, und Hie-Sin unten links in der dunklen Jacke. Chi-Ting ist Chinesin, Hie-Sin Koreanerin. Neben mir in dem blauen Mantel steht meine Lehrerin Mascha. Die Hand auf meiner Schulter ist übrigens von Wan-Shuljan, der hinter mir steht und ich stehe so komisch rübergelehnt, weil ich mich an das Geländer lehne - sieht etwas missverständlich aus auf dem Bild. Die euch jetzt noch unbekannten Leute auf dem Bild sind Chinesen, Mongolen und ein Koreaner.

In meinem Sprachkurs mache ich mittlerweile große Fortschritte. Ich kann mich zwar noch nicht tiefschürfend unterhalten, aber für den Alltag reicht es einigermaßen. Mein Hauptproblem ist momentan, dass mir einfach noch so viele Vokabeln fehlen und ich mit dem Lernen nicht hinterherkomme. Jedenfalls sind in meinem Kurs alle schwer beeindruckt von meinen Fortschritten. Besonders die Chinesen (für die es allerdings auch viel schwerer ist), aber auch meine Lehrerinnen. Als wir am Montag zum ersten Mal seit zwei Wochen bei unserer Lehrerin Mascha hatten, sagte die, ihr sei zu Ohren gekommen, dass ich mich so sehr verbessert hätte und sie wolle das direkt mal überprüfen. Dascha, meine andere Lehrerin, hat mich sogar mehrmals gefragt, wo ich denn so eine gute Aussprache gelernt hätte. Ich wusste gar nicht so richtig, was ich darauf antworten soll..
Ich denke jedenfalls, dass es mir sehr zu gute kommt, dass ich in einer Familie wohne. Hier muss ich einfach ständig Russisch sprechen. Die Oma spricht sowieso nur Russisch und mein Gastvater Leonid nur leidlich Deutsch und Englisch. Und wenn man andere Familienmitglieder da sind, spreche ich mit denen in der Regel auch nur Russisch, selbst wenn diese Deutsch oder Englisch sprechen können. So kommt es, dass ich eigentlich den ganzen Tag nur Russisch spreche. Martin, der einzige Deutsche aus meinem Kurs, kommt mittlerweile nur noch selten, weil er schon zu gut Russisch spricht und mit allen anderen ist es leichter sich auf Russisch zu unterhalten als auf Englisch. Deutsch spreche ich also nur, wenn ich die Oli über Skype anrufe oder wenn ich mit Freunden über ICQ chatte. Es sei denn, ich mache am Wochenende mal was mit den Leuten aus dem Wohnheim. Als ich das letzte Mal dort war, ist mir der Vorteil was die Sprache angeht dann auch ziemlich klar geworden. Fast jeder dort spricht Englisch, manche Leute sprechen auch kaum oder gar kein Russisch und die Umgangssprache scheint (was mich sehr gewundert hat) hauptsächlich Englisch zu sein. Seit jenem Abend habe ich übrigens die Schnauze voll von Wodka, weil ein Österreicher ohne Rücksicht auf Verluste den Wodka in Massen ausgeschenkt hat. Mein Reiseführer sagt dazu: Wodka "has a knack of creeping up on you from behind and the consequences can be appalling." Mit anderen Worten: Das Zeug schleicht sich von hinten an und dann geht es böse aus. Böse aus ging es bei mir nicht, aber ich habe glaube ich schon um ein Uhr im Bett gelegen und geschlafen.


In einer Familie zu wohnen hat außerdem noch den Vorteil, dass man einfach mehr vom alltäglichen Leben mitbekommt. Letztens war die ganze Familie hier, weil die beiden Töchter von meinem Gastvater Geburtstag hatten und dieses Wochenende kam dessen jüngerer Bruder Gennadi zu Besuch.
Wenn Besuch kommt wird Tee getrunken. Wenn ich mal eben für ein Stündchen zu Alexei, Leonids ältestem Sohn rübergehe, bedeutet das auch wirklich nur Tee und etwas zu Essen. Wenn es jedoch einen besonderen Anlass gibt, wird Wein und Wodka aufgetischt und alles was essbar ist, wird auf den Tisch verfrachtet. Dann steht der ganze Tisch voll mit Brot, Käse, Wurst, Sushi, Pelmeni oder was sonst eben gerade da ist oder extra besorgt wurde. Wein oder vor allem Wodka werden nicht einfach so getrunken, sondern dann, wenn einer einen Toast ausspricht. Dieser Toast kann von einem einfachen "Auf die Gesundheit!" oder ähnlichem bis zu einer kleinen Rede reichen. Wer keinen Alkohol trinken möchte, trinkt eben einfach mit Saft mit. Hauptsache man hat etwas zum Anstoßen. Ab und zu nimmt dann jemand die Gitarre in die Hand, stimmt ein paar Lieder von irgendwelchen russischen "Barden" an und alle singen mit. Barden sind so wie ich das verstanden habe russische Volksliedersänger.
Beim abendlichen Teetrinken.
Gennadi an der Gitarre.Vanja an der Gitarre.
Jetzt bekommt ihr auch endlich mal meine Gastfamilie zu sehen. Auf dem ersten Bild von links nach rechts zu sehen sind Gennadi, die Babuschka, Vanja (der jüngere Sohn von meinem Gastvater), Danilo (der älteste Sohn vom ältesten Sohn meines Gastvaters) und schließlich mein Gastvater Leonid. Ach ja, Danilo hat natürlich nichts zu trinken gekriegt.
Auf dem zweiten Bild links ist Tatjana, Leonids ältere Tochter zu sehen. Über den Abend verteilt waren noch mehr Gäste da, aber ich hatte nicht die ganze Zeit meine Kamera bei mir.
Am besten hat mir Gennadis Gesang mit seiner rauchigen Stimme gefallen. Von den Texten habe ich allerdings leider nur wenig verstanden. Die Bilder sind übrigens am Donnerstag Abend entstanden. Am Freitagmorgen bin ich dann auch ohne Wecker aufgewacht, weil Gennadi und die Oma in Leonids Zimmer am PC gesessen und in voller Lautstärke russische Volksmusik gepumpt haben. Die Oma hat mir dann strahlend erzählt, dass sie diese Musik schon seit einem Jahr nicht mehr gehört habe. Als ich dann aus dem Haus gegangen bin, fragte mich Gennadi auf Deutsch, ob ich keine Mütze anziehen wolle, worauf Leonid sagte: "No, Tobi is real russian man." Ohje, lasst das nicht die Oli hören, sonst nimmt sie mich nicht zurück!

Übrigens bin ich dazu übergegangen, mich sehr obstlastig ernähren, weil ich Angst habe zu verfetten. Nachdem ich letztens solche Magenbeschwerden hatte, steht mir da auch irgendwie eher der Sinn nach. Das Obst ist hier ziemlich billig (glaube ich). Für diese anmutige Formation habe ich gerade mal 5€ bezahlt:
Herrlisch!

So lässt sich's leben, oder? Die anderen Gerichte muss ich aber bei Gelegenheit auch mal fotografieren. Pelmeni esse ich eigentlich fast jede Woche, mit denen werde ich dann demnächst mal anfangen.
'Omas Pelmeni'
Diese Pelmeni-Stube befindet sich ganz in der Nähe von mir am Prospekt Lenina. Die werde ich bei Gelegenheit direkt mal einer Qualitätskontrolle unterziehen. Bis vor kurzem war der Laden noch geschlossen, vielleicht steht deswegen "Wir sind zurückgekommen" unter den Luftballons. Ich hatte schon gerätselt, ob der Laden wohl nur den Winter über geschlossen hat. Anscheinend war dem so. Als ich der Oli davon erzählt habe, hat sie gemeint es könnte ja auch sein, dass der Laden vom Gesundheitsamt geschlossen wurde. Dass ich daraufhin in lautes Gelächter ausgebrochen bin, hat sie mir allerdings ein bisschen übel genommen. Wenn hier irgendwer vom Gesundheitsamt belangt wird, beißt mich jedenfalls ein Elch. Auf den Märkten ist man wohl der Meinung, dass Fleisch und Fisch frische Luft brauchen und den Tiefkühlwaren aus dem Supermarkt sieht man bei genauerem Hinsehen teilweise deutlich an, dass sie zwischenzeitlich schon mindestens ein Mal angetaut sind. Aber war soll's, wenn man es weiß, kann man ja darauf achten. Ich finde auch, dass man sich ziemlich schnell an die vielen kleinen Dinge gewöhnt, die hier anders sind als zu Hause. Wenn man die Augen offen hält, kann man allerdings jeden Tag irgendwelche Verrückheiten entdecken. Allein schon das Busfahren kann immer ein kleines Highlight sein. In einem Bus hat der Fahrer den gesamten Innenraum mit Stoffen und Russlandfahnen verziert und beschallt alle Fahrgäste mit brüllend lauten russischen Volksliedern, im nächsten Bus macht der kettenrauchende Busfahrer sein Gefährt zur Smokebox und im dritten Bus kann der Fahrer von der Hitze einfach nicht genug kriegen und dreht die Heizung volle Pulle auf, obwohl er schon mit hochrotem Kopf im Unterhemd da sitzt. Sonntagsmorgens um elf Uhr kommt einem an der Hauptstraße ein stinkbesoffener Typ mit Bierdose in der Hand entgegengetorkelt, Montagsmorgens um neun Uhr sieht man eine Hausfrau vom Einkaufen kommen, die Einkaufstüte in der einen, die Bierdose in der anderen Hand. So macht Einkaufen Spaß! Mein persönlicher Favorit war bis jetzt allerdings eine Frau mittleren Alters, die nicht nur selbst für hiesige Verhältnisse ziemlich stark geschminkt war, sondern an den Augenbrauen anstatt einen dezenten kleinen Strich links und rechts zu malen einen dicken fetten Strich von links nach rechts quer über die ganze Stirn gezogen hatte! Da wären mir fast die Einkaufstaschen vor die Straßenbahn gefallen. Was würde ich dafür geben, davon ein Foto zu haben...
Auch gerne fotografieren würde ich die ganzen alten Leute, die nur noch Goldzähne im Mund haben. Sieht ziemlich cool aus, sowas will ich später auch haben. Mal gucken, vielleicht lass ich mir ja auch nen Goldzahn einsetzen, bevor ich wiederkomme. Dazu müsste allerdings erst mal ein anderer weg und was das angeht bin ich noch unentschlosen.
Es bleibt also weiter spannend!

Ich habe übrigens beschlossen, definitiv nochmal hier her zu kommen. Also nicht unbedingt nach Tomsk, aber nach Sibirien. Und zwar im Winter. Vielleicht fange ich nach meiner Rückkehr ja an darauf hinzusparen. Irgendetwas muss ich mir jedenfalls überlegen. Nach Novosibirsk zu kommen, werde ich wahrscheinlich noch schaffen, während ich hier bin. Vielleicht schaffe ich es sogar nochmal nach Omsk. Aber dann gibt es noch so viel, was ich sehen will. Ich will nach Norilsk, nach Jakutsk, nach Irkutstk, an den Baikalsee, ins Altai-Gebirge, mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren...
Das will ich dann aber natürlich nicht alleine machen. Mal sehen, ob ich Freunde oder Freundin dafür begeistern kann... Wahrscheinlich muss ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten, wenn ich nicht alleine fahren will.
Mein Gastvater hat übrigens mal in Norilsk gearbeitet (300 Km nördlich des Polarkreises, nördlichste Großstadt der Welt). Er hat gesagt, im Juni und Juli werden es dort bis zu 20°C. Den Rest des Jahres liegt Schnee.

Die Eisskulpturen und das Stadtbild

Freitag, 18.03.2011

Zum Glück hab ich es vor zwei Wochen noch geschafft, die Eisskulpturen anzugucken - gerade noch rechtzeitig bevor es das erste Mal getaut hat.
Mittlerweile sind nur noch Temperaturen um 0° und langsam aber sicher taut der ganze Schnee weg und was man von den Eisskultpuren von außen sehen kann (ohne Eintritt zu bezahlen), sieht auch schon ganz schön lädiert aus. Der Winter ist jedenfalls vorbei. Schade eigentlich, im Prinzip hab ich vom Winter ja gar nichts mitgekriegt. Das allerkälteste was ich erlebt habe, waren knapp -28° und selbst das ist eigentlich noch nicht wirklich kalt... Dann hab ich wohl keine Wahl - ich muss nochmal herkommen!

Jetzt aber erst mal zu den Bildern:
Der Kollech
Paar FigürchenFür ein Foto!Puschka - Kanone

Na wenn das mal kein Thron ist!Ein Pavillon für verliebte - süß.Ne Kinderrutsche aus Eis - was net all gibt!

Zu guter Letzt noch ein HexenhäuschenSogar mit Sitzbank - na wenn das mal nix is!

Geil, oder? Besonders heiß finde ich auf dem dritten Bild (vor der Kanone) die Skulptur. Falls man es nicht richtig erkennt, das sind drei Figuren mit Löchern im Gesicht, sodass man fürs Foto sein eigenes Gesicht reinhalten kann. Dabei sind die Dinger doch sowieso durchsichtig!
Der Thron hat mir auch ziemlich gut gefallen und wie man sich sicherlich denken kann, wollte ich auch unbedingt ein Bild haben, auf welchem ich auf ebendiesem Thron throne. Zu diesem Zweck hab ich sogar eine Mutter angesprochen, die gerade Bilder von ihren eigenen Kindern auf ebendiesem Thron gemacht hat. Die hat mich dann auch direkt ganz bereitwillig fotografiert, aber ich konnte ihr natürlich nicht erklären, dass sie das Foto von weit weg machen soll, sodass der ganze Thron drauf ist. Also ist auf dem Bild nur zu sehen, dass ich auf irgendeinem Eisblock rumsitze. Aber was soll's, dann hab ich eben noch einen Grund, nochmal wiederzukommen!
Die Rutsche ist auch nicht schlecht, oder? Das war glaube ich die größte Skulptur von allen.
Die Bilder stammen übrigens aus zwei verschiedenen Skulpturen-Ausstellungen. Aber der Eintritt hat ja nur jeweils zwei Euro gekostet oder so, also hab ich mir eben beide angeguckt.

Am besten machen wir direkt weiter mit den restlichen Fotos, wollen wir? Na also, hab ichs mir doch gedacht!
Ein HolzhausNoch ein HolzhausNä, schon wieder ein Holzhaus!

Der Anbau sitzt nicht ganz, aber was soll's!Man beachte die Schlagseite!

Das sind also die berühmten Tomsker Holzhäuser. Nicht immer fachmännisch zusammengekleistert, aber wirklich schön oder? Die Plattenbauten und abrissreifen Hütten, die ebenso das Stadtbild prägen, hab ich jetzt mal weggelassen.. Dafür geht es direkt weiter mit noch ein paar schönen Häusern:
Der Prospekt Lenina gen NordenMeine LieblingseckeGebäude meiner Uni am Prospekt LeninaDas Uni-Hauptgebäude

Von Links nach Rechts, von Norden nach Süden:
Auf dem ersten Bild ist ein Abschnitt vom Prospekt Lenina oberhalb vom Glawpotschtamt (meiner Haltestelle) zu sehen.
Das zweite Bild zeigt halt irgendso eine Gebäude am Prospekt Lenina. Von dieser Seite laufe ich jeden Tag hier vorbei, wenn ich von der Uni komme. Das ist übrigens meine Lieblingsecke. Ich muss nochmal nachts ein Bild machen, da gefällt sie mir noch besser.
Auf dem dritten Bild ist so ein Gebäude von der TGU (Tomsker Staatliche Universität) zu sehen. Ebenfalls am Prospekt Lenina.
Das letzte Bild schließlich zeigt mein Uni-Hauptgebäude. Da muss ich rein, wenn ich ins Stalowaja (die Mensa/Kantine) will oder wenn ich zu dem einzigen Geldautomaten will, den ich bedienen kann. Und auch wenn man es vielleicht nicht glaubt: Auf diesem Bild ist es wesentlich wärmer als auf den vorherigen drei! Hier sind es knapp unter 0°, auf den anderen so -15°.

Zu guter letzt noch ein paar besonders schöne Bilder:
Eine sehr gute Karte!Wenn ich sterben will, kletter ich hier auch mal hoch!*Schlemmer*Bier Nr.1 in Deutschland

Guckt euch mal wirklich genau diese Landkarte an! Sowas wirklichkeitsgetreues sieht man wirklich selten. Zumindest, wenn der Zeichner besoffen ist und die Karte aus dem Kopf zeichnet. Und sowas hängt in der Uni in unserem Unterrichtsraum! Geil, oder? Wie mir mittlerweile aufgefallen ist, kommt auf dem kleinen Bild nicht so gut rüber, wie schief und krumm diese Karte ist.. Egal, hochgeladen ist hochgeladen!
Der nette Herr auf dem zweiten Bild hat offenbar mit dem Leben abgeschlossen. Warum sonst in aller Welt sollte er sonst mit zwei Eispickeln an diesem Eisblock hochklettern? Ob der Block wenigstens um einen festen Kern wie bspw. einen Metallpfeiler drumherum gebaut wurde, will ich gar nicht wissen. Vielleicht stand er auch nur zufällig da, weil es mal eine Fontäne aus einem Gulli gegeben hat und das Wasser sofort eingefroren ist. Ein Mysterium jagt das nächste!
Und nun, meine Damen und Herren, die ihr alle so lange auf den Beweis für das unglaubliche gewartet habt, viele hielten sie für eine urbane Legende, in Umlauf gebracht um den arglosen deutschen Biertrinker vom Pfad der Rechtschaffenheit abzubringen und ins Verderben zu stürzen, aber hier ist der Beweis, das ist sie, die 1.6-Liter-Flasche Oettinger Pils!!! Inklusive einem Schriftzug, der besagt, dass Oettinger die Nr.1 in Deutschland ist! Kostenpunkt: 2.60€ - nicht wirklich günstig, wenn man bedenkt, dass dieselbe Menge Oettinger in Deutschland die Hälfte kosten würde.
Das gute Stück werde ich jedenfalls gleich mal einer Kostprobe unterziehen. Die Dose Baltika steht übrigens daneben, um die Monströsität der Flasche zu verdeutlichen.

Ja, also wie gesagt ist der Winter jetzt vorbei und ich hab ihn im Prinzip verpasst. Das verrückte ist, dass -5° oder so jetzt wirklich überhaupt nicht mehr kalt sind. Als ich angekommen bin, war es auch ungefähr so wie jetzt und ich war ziemlich froh, dass es nicht kälter war. Und jetzt lauf ich bei solchen Temperaturen ohne Schal und Handschuhe rum! Man gewöhnt sich echt schnell an die Kälte. Wie sehr man sich erst daran gewöhnen muss, wenn man den ganzen Winter und noch viel kältere Temperaturen mitkriegt. Oder wenn man einfach hier wohnt! Letztes Jahr im Winter waren es hier wohl -50°! Aber das war dann auch schon außergewöhnlich kalt.
Erkältet hab ich mich jedenfalls nicht. Ich hab mich ja auch immer dick eingepackt. Dafür hat es mich dann letztes Wochenende in Gestalt einer Magen-Darm-Grippe niedergestreckt. Wobei ich ja eigentlich viel mehr vermute, dass ich irgendwas gegessen habe, das nicht mehr so richtig gut war. Da wär ich nämlich nicht der erste, dem das passiert. Seitdem geh ich auch nicht mehr in die Kantine in unserer Uni. Mein Gastvater war sogar der Meinung, dass ich mir genau da meine Beschwerden eingefangen hätte. Davon abgesehen muss man aber eigentlich nur bei Straßenständen u.ä. aufpassen. Je verderblicher dort etwas ist, desto eher sollte man es meiden.
Ansonsten bin ich jedenfalls nach wie vor angetan von der russischen Küche. Hier zuhause koche ich zwar eigentlich für mich selber, aber wenn es was leckeres gibt, esse ich natürlich auch gerne mal nen kleinen Teller mit. Öfters gibt es Borschtsch (eine Kohlsuppe, sollte man eigentlich kennen), Ucha (Fischsuppe), Kascha (Grießbrei oder sowas) oder einfach nur Kartoffeln. Im Lädchen um die Ecke hab ich auch mal Mante und Pelmeni gekauft. Das sind im Prinzip einfach Teigtaschen mit Hackfleisch drin, so ähnlich wie Ravioli. Mante sind allerdings größer als Pelmeni, im Hackfleisch sind Zwiebeln drin und die werden dampfgegart, anstatt wie die Pelmeni gekocht zu werden. In der Uni bringen unsere Lehrerinnen manchmal Bliny (Pfannkuchen) oder Piraschki (gefüllte Blätterteigtaschen) mit. Dann wird geschlotzt was das Zeug hält und ratet mal, wer ganz vorne mit dabei ist?
Ab und zu darf man sich beim Essen aber auch einfach mal nicht anstellen. Beispielsweise sollte ich letztens aus dem Supermarkt Fisch für den Kater mitbringen und hab natürlich den falschen gekauft. Weil der angeblich zu teuer für die Katze war, hatte ich die ehrenwerte Aufgabe, innerhalb weniger Tage (hält sich ja nicht ewig) ein halbes Kilo Fisch zu verzehren. Also erklärte die Oma mir, man könne die kleinen Fische einfach nehmen wie sie sind und in der Mitte reinbeißen. War auch echt lecker, aber bei etwas größeren Exemplaren musste man sich schon mal durch die Wirbelsäule mahlen und Richtung Kopf kam dann irgenwann der Magen und naja, warum das eklig sein kann, muss ich jetzt wohl nicht näher ausführen. Erst gestern konnte ich schließlich beobachten, wie mein Gastvater denselben Fisch zubereitete: Kopf abschneiden, Magen samt innereien am Kopf rausziehen und ab in den Kochtopf damit! So geht das also... Wenn die Dinger gar sind, kann man das Fleisch sogar ganz einfach vom Rückgrat abziehen. Lecker war der Fisch jedenfalls sowohl roh als auch gekocht, ich frage mich nur bis heute, was für einen Fisch ich da überhaupt gegessen habe..
Wie man sich jedenfalls vielleicht denken kann, hat man als Vegetarier hier keinen leichten Stand. Die Hauptgerichte sind sowieso sehr fleischlastig und auch in potentiell vegetarischen Gerichten kann sich einfach mal völlig unmotiviert eine Prise Hackfleisch wiederfinden. Dafür gibt es in meiner Straße sogar ein vegetarisches Café! Das ist allerdings auch alles, was ich in der Richtung bisher gesehen habe.

Das wars erst mal von meiner Seite. Bis bald und zügelt eure Frühlingsgefühle im warmen Deutschland!

Ein paar Bilder

Samstag, 26.02.2011

Da es heute kuschelig warm war (-15°), hab ich mir die Sonnenbrille aufgesetzt, bin in die Badelatschen geschlüpft und war ein bisschen in der Stadt Sonne tanken.
Ok, das mit der Sonnenbrille und den Badelatschen war jetzt übertrieben. Aber ich habe das erste Mal seit einer Woche keine lange Unterhose gebraucht! Und angenehm warm war es tatsächlich. Mit Jacke, Mütze und Schal, versteht sich.
Jedenfalls habe ich auf dem Weg zur Uni und zurück ein paar Bilder gemacht:

Der Kreml aus EisSibirischer Bauschutt
Auf dem ersten Bild ist ein kleiner Eisskulpturenpark zu sehen, bzw. eine Ecke davon von außen. Da muss ich auf jeden Fall noch rein, bevor der abgebaut wird. Aber alleine hab ich keine Lust und bis jetzt hab ich noch niemanden gefunden, der Lust darauf hat. Ich hab allerdings auch noch niemanden getroffen, der da überhaupt schon mal drin war.
Die Eisblöcke liegen daneben einfach so rum. Ursprünglich war nämlich neben dem Eisdingspark noch so eine lange Wand aus Eis, aber die wurde schon vor einer Woche abgebaut. Joa und die Klötze sind eben was davon übrig ist.

Ein kleiner SchneehaufenEin bisschen größerer Schneehaufen
So richtig große Schneehaufen liegen am Prospekt Lenina leider keine rum. Die größten hab ich bis jetzt am Wohnheim gesehen, aber bis dahin wären es nochmal zehn Minuten Fußmarsch gewesen. Hatte ich nur um ein einziges Foto zu machen keinen Bock drauf..

Ein BusSibirische Pfannkuchen (=die gleichen Pfannkuchen wie überall sonst auch)Original kein Bock mehr
So wie der Bus auf dem ersten Bild sehen hier die meisten Busse aus. Nur das dieser hier vertrauenswürdiger aussieht als die meisten anderen. O-Busse gibt es allerdings auch, die sind größer und sehen aus wie ganz normale Busse.
Diese Pfannkuchenstuben wie auf dem zweiten Bild gibt es wirklich an jeder Ecke. Lecker!
Und die Tauben.. Ja, die haben irgendwie nicht so viel Freude an der Kälte wie ich. Dabei sind es heute ja nicht mal -20°. Da müssen die Biester sich wirklich nicht so anstellen. Unser Kater hier geht ja auch jeden Tag stundenlang raus, selbst wenn es noch viel kälter ist!

Eines der vielen Denkmäler für den Großen Vaterländischen KriegKleine Geschäfte in meiner SeitenstraßeAchtung! Hier fällt Schnee runter

Ich muss daran denken, am besten keine Hochkantfotos mehr zu machen. Die werden hier nämlich immer quergelegt.. Egal, jedenfalls sehen wir hier ein Denkmal für irgendwas mit dem 2. Weltkrieg. Davon gibts hier ziemlich viele.
Auf dem zweiten Bild sieht man ein paar kleine Geschäfte. Leider sieht man hier nicht so richtig, wie geil die Dinger einfach mitten auf der Straße stehen. Manche von denen haben auch die ganze Nacht durch auf. Und das Bier kostet nicht mehr als im Supermarkt. Praktisch! Die Geschäfte haben hier übrigens jeden Tag auf, auch sonntags.
Und das Schild.. Ja, da sollte man wirklich aufpassen. Ich hab mal gesehen, wie eine Schneelawine von einem mehrstöckigen Haus runterkam und da will man wirklich nicht drunter stehen. Verletzen wird man sich dabei zwar wohl kaum, weil der ganze Schnee ja nicht auf einmal runterkommt. Aber ziemlich unangenehm stelle ich es mir trotzdem vor, wenn man plötzlich mit Schnee überschüttet wird.

Der Prospekt Lenina
Zu guter Letzt noch ein Bild vom Prospekt Lenina. Da unten wo dieses rote Werbebanner über der Straße hängt, geht es rechts rein zu meiner Seitenstraße. Geradeaus geht es weiter in die Innenstadt, in die andere Richtung zur Uni. Wirklich viel kann man hier auf dem Bild allerdings leider nicht sehen.

Bier
Nachtrag: Baltika, das Bier, das hier angeblich Marktführer ist. Schmeckt ganz ok und kostet nur 26 Rubel (also 65 Cent oder so). Die 3 vorne drauf steht für die Sorte. Ich hab noch nicht so richtig kapiert, was genau die Zahlen wirklich aussagen, aber die Nr. 3 ist jedenfalls normales Pils.

Mein neues Zuhause

Freitag, 25.02.2011

-28° Celsius. Scheiße, ist das kalt! Sogar die Tauben haben keinen Bock mehr und hocken nur noch zusammengekauert auf Gullideckeln rum. An den Straßenrändern türmen sich mancherorts Schneeberge, die locker über zwei Meter hoch sind. Die Haupstraßen sind größenteils geräumt, aber die Nebenstraßen sind von einer Eisschicht überzogen, die teilweise fast einen halben Meter hoch ist. Und ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine nachts irgendwo in der Nachbarschaft einen Wolf heulen zu hören. Könnte aber auch nur ein sehr trauriger Hund sein.

Ich gehe jetzt nur noch in voller Wintermontur aus dem Haus. Das heißt Mütze, Schal, dicke Jacke, Handschuhe, lange Unterhose und Winterstiefel. Auf kurzen Strecken von einer halben Stunde oder so ist es sogar ziemlich warm unter den dicken Klamotten. Das Gesicht lässt sich allerdings nur schwer vor der Kälte schützen und wenn mir dann auf dem Prospekt Lenina (die Hauptstraße) der Wind entgegenweht, fangen die Augen an zu tränen und die Tränen frieren in den Augenwinkeln ein.
Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, ist mir in der Regel erst mal ziemlich warm. Wie kalt es wirklich ist, erkenne ich meistens nur in der Nase beim Atmen. Je mehr die Nasenflügel vor Kälte knisternd zusammenkleben, desto kälter ist es. Am Prospekt Lenina angekommen schlägt mir dann der Wind entgegen und kurz darauf tut die Kälte im Gesicht weh. Nach zehn Minuten Fußmarsch wird das Gesicht bei wärmeren Temperaturen (so bis -20°) wieder ein Bisschen wärmer, dafür werden trotz langer Unterhose langsam die Beine kalt. Mir ist jetzt auch klar geworden, woher das Sprichwort "Sich den Arsch abfrieren" kommt. Dieser wird nämlich tatsächlich als erstes kalt, wenn man dick eingepackt ist. Wenn es soweit ist, dass meine Beine frieren, bin ich allerdings schon fast an der Uni angekommen.
Wenn man nun länger als eine Stunde unterwegs ist, wird einem trotz warmer Kleidung und Bewegung (draußen steht man schließlich nicht dumm in der Gegend rum, sondern läuft irgendwohin) irgendwann richtig kalt. Vor allem aber wird die Kälte im Gesicht irgendwann ziemlich unangenehm. Zum Glück gibt es alle hundert Meter "Сибирские Блины" (Sibirskie Bliny = Sibirische Pfannkuchen), da drinnen herrscht dann natürlich eine brüllende Hitze und man kann sich bei ein paar leckeren und günstigen Pfannkuchen und heißem Kaffee oder Tee aufwärmen, bevor der Fußmarsch in der Kälte weitergeht.
Trotz der doch recht ausgeprägten Kälte sieht man auf der Straße noch Männer ohne Schal und Handschuhe oder Frauen in Strumpfhose und kurzem Rock rumlaufen. Ich fliege nach wie vor ständig fast auf die Schnauze und wundere mich jeden Tag darüber, dass die allermeisten Frauen nach wie vor in Stöckelschuhen über die vereisten Gehwege flanieren können, ohne dass es ihnen ähnlich ergeht. Vielleicht haben die ja kleine Spikes an den Pfennigabsätzen, wer weiß.

Mein Zuhause ist wirklich sehr schön. Ich habe ein ca. fünfzehn bis zwanzig Quadratmeter großes Zimmer mit einem großen Bett, einem Schreibtisch, einem Kleiderschrank und einem Kamin, den ich allerdings nicht benutze. Außerdem habe ich noch einen kleinen Balkon, der sich im Sommer bestimmt als sehr nützlich erweisen wird.
Ich wohne hier zusammen mit meinem Gastvater und dessen alter Mutter. Die Kinder meines Gastvaters, zwischen zwanzig und vierzig, sind alle schon ausgezogen, kommen aber manchmal vorbei.
Auf jeden Fall ist meine Gastfamilie wirklich nett und ich fühle mich sehr wohl hier!

So, jetzt erst mal ein paar Bilder (einfach draufklicken, dann werden sie größer angezeigt):

Mein Zimmer von der Tür ausMein Bett und mein SchreibtischMein Zimmer vom Schreibtisch ausMein Bier-KühlschrankDas Badezimmerfenster bei -25°C

Onkel Lenin...Das StadtwappenEin Obelisk, über dem die Sonne steht...

Tja, was ist das wohl...?Na, kommt jemand drauf?

Was auf den letzten beiden Bildern drauf ist, verrate ich nicht. Aber vielleicht kommt ja jemand drauf und lässt es die anderen in den Kommentaren wissen.
Unter der Lenin-Statue liegen übrigens Blumen, weil gerade der "Tag der Verteidiger des Vaterlandes" war.

Ich habe momentan jeden Vormittag von halb elf bis zwei Russisch-Sprachkurs und zuhause muss ich dann auch nochmal locker zwei Stunden Hausaufgaben machen und lernen, was aber vor allem deshalb so lange dauert, weil ich so unglaublich viele Vokabeln lernen muss. Dafür wird mein Russisch aber auch relativ schnell besser. Um mich einigermaßen zu verständigen reicht es sogar schon.
Nach dem Sprachkurs gehe ich manchmal noch mit ein paar anderen in die billigste der drei kleinen Kantinen im Uni-Hauptgebäude. Das Essen ist ganz ok, aber vor allem günstig. Salat, Suppe, Frikadellen, Kartoffelpüree und "Kompott" (so ne Art Fruchtsaft, keine Ahnung was das genau ist) kostet alles zusammen gerade mal 2,50€.
Danach gehe ich ein oder zwai Mal in der Woche noch zum Supermarkt "Food-City". Das ist der größte Supermarkt, der für mich einigermaßen bequem erreichbar ist. Einkaufen funktioniert hier natürlich prinzipiell genauso wie in Deutschland, den einen oder anderen Unterschied gibt es aber trotzdem. Beispielsweise muss man beim Obst- oder Gemüsekauf schon etwas genauer gucken, was man einpackt. Sonst hat man schnell mal nen Apfel gekauft, der sich zuhause als ziemlich schäbig entpuppt. Stattdessen kann man aber auch einfach die riesengroßen, knallroten Äpfel nehmen. Ich will gar nicht wissen, mit was die behandelt sind, aber sterben werde ich schon nicht davon. Die meisten Dinge sind hier ungefähr genauso teuer wie zuhause, nur einzelne Dinge unterscheiden sich wirklich erheblich. Wasser und Brot beispielsweise sind unglaublich billig. Ein Laib Weißbrot kostet gerade mal vierzehn Rubel, also 40 Cent oder so. Sechs Liter Mineralwasser kosten nur einen Euro oder so. Dafür ist das Bier teurer, zumindest das gute importierte. Deutsches oder Tschechisches Bier kostet ungefähr drei Euro pro halber Liter. Baltika, das Meistverkaufte Bier in Russland, kostet ungefähr 60 Cent. Es gibt allerdings auch das gute alte Oettinger in sagenhaften 1,6 Liter Plastikflaschen mit Drehverschluss! Und das beste ist: Die werben hier damit, in Deutschland die Nr. 1 zu sein, haha! Bei Gelegenheit muss ich mir unbedingt mal so eine Flasche kaufen, nur um mal ein Foto machen zu können. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich das Bier dann hinterher wegschütten würde.
Alles in allem ist also ein Supermarkt ein Supermarkt, nur dass in Deutschland nicht so viele Wachleute rumlaufen würden. Aber die laufen sowieso in jedem größeren Geschäft, jedem Internet-Café, in der Uni und auch sonst überall rum, wo es was zu bewachen gibt.
Ach ja, als ich das erste Mal hier war, lief im Supermarkt Techno, aber das kenne ich ja schon aus der Kantine, haha.

Vom Food-City nach Hause muss ich eine Dreiviertelstunde laufen, also nehme ich von hier aus meistens den Bus. Die Busse sind ziemlich klein, höchstens zwanzig Plätze, wenn überhaupt. Buspläne gibt es glaube ich gar keine. Auf den Bussen steht einfach vorne die Linie drauf und an der Seite die Haltestellen. Eine Fahrt kostet zwölf Rubel, also ca. 30 Cent, die man vor dem aussteigen dem Fahrer einfach hinlegt. Und wenn der Weg versperrt ist, drückt man das Geld einfach jemand anderem in die Hand, der das Geld dann zum Fahrer weitergibt.
Aber auch zu Fuß ist man hier eigentlich ganz gut unterwegs. Was mir gut gefällt ist, dass die größeren Ampeln Zeitanzeigen haben, so dass man sehen kann, wann die Ampel wieder umspringt. Die Autofahrer sind hier sehr sozial und bleiben auch ohne Ampel so schnell für Fußgänger stehen, dass es mich anfangs richtig irritiert hat. Manchmal bin ich an der Straße stehen geblieben, habe in der Gegend rumgeguckt, weil noch Autos kamen und plötzlich hupt einer, damit ich endlich mal über die Straße gehe.

Vor meiner Reise haben mich manchmal Leute gefragt, was Tomsk denn für eine Stadt sei, ob Tomsk schön ist usw. Dazu kann ich nur sagen, Tomsk ist vielleicht nicht Rom, London, Prag oder gar Fulda, aber einen gewissen Charme hat diese Stadt. Die charakteristischen kleinen Holzhäuser, die seltsamen Busse, der viele Schnee und die vielen kleinen Kuriositäten, die einem immer wieder begegnen machen diese Stadt schon zu etwas besonderem. Manches ist wahrscheinlich auch einfach typisch für Russland, keine Ahnung. "Hier ist alles möglich", sagen die anderen Ausländer immer, wenn einem mal wieder irgendwas total absurdes auffällt.
Nachdem ich jetzt genau zwei Wochen hier bin, macht sich so langsam das Gefühl breit, so richtig am Arsch der Welt zu sein. Mir kommt es auch so vor, als ob ich schon viel länger weg wäre. So weit weg von zu Hause, jeden Tag Schnee und eisige Kälte... Manchmal scheint regelrecht die Zeit still zu stehen. Also genau das, was ich wollte!
Ach ja, nördlich von Tomsk liegt übrigens Sewersk. Eine geschlossene Stadt, in der europäischer Atommüll gelagert wird und teilweise einfach in Containern auf einem Parkplatz rumsteht.

Bis zum nächsten Mal muss ich unbedingt noch mehr Bilder machen! Von den kleinen Geschäften, den vereisten Gehwegen, den Eisskulpturen und vor allem von den Schneebergen, die an manchen Orten fast drei Meter hoch sind.

Die ersten Tage

Dienstag, 15.02.2011

So, angekommen bin ich, die ersten paar Stunden geschlafen habe ich auch schon, jetzt ist es Zeit zur Uni zu gehen.

Wie bereits erwähnt, holt mich am Freitag, meinem ersten Tag in Tomsk, die Tochter von Frau S. um halb eins ab und zeigt mir den Fußweg zur Uni. Als ich um kurz vor halb rauskomme, steht sie schon an der Straße und wartet auf mich. Außer hallo und tschüss reden wir unterwegs nicht, ist mir aber auch wurscht und ihr wohl auch. In der Straße, in der ich wohne, sind Straße und Gehweg komplett von zu Eis festgetretenenem Schnee überdeckt. Ich fliege auf dem Weg zur Hauptstraße, dem Leninprospekt, wegen dem unebenen Boden mindestens drei Mal fast auf die Schnauze. Die Tochter von Frau S. dagegen marschiert mit ihren 15 cm hohen Absätzen munter voran. Ein lustiges Bild, Stöckelschuhe auf vereisten Gehwegen. Aber so scheinen die Frauen hier meinem Eindruck nach zu sein - Hauptsache gut aussehen. Da ist man eben auch bei -15°C mit Stöckelschuhen oder Strumpfhose und Minirock am Start. Was muss, das muss!

Zwischen Gehweg und Straße gibt es auf dem Weg zum Leninprospekt Streckenweise gar keinen Unterschied und irgendwann stehen einfach kleine Häuschen mit Geschäften drin mitten auf der Straße. Klar, warum auch nicht! Die Straßenbahn fährt schließlich auch direkt vor meinem Fenster durch die kleine Seitenstraße. Dann rappeln jedes Mal die Wände, aber das stört mich nicht weiter. Zuerst ist es mir gar nicht aufgefallen.
Nachdem ich kurz Emails nach Hause schreiben durfte, werde ich zu meinem Russisch-Sprachkurs geführt. Die Lehrerinnen sind drei junge Russinen, von denen immer jeweils eine den Unterricht schmeißt, wenn ich das richtig verstanden habe. In meinem Kurs sind außer mir noch ein deutscher und sechs Chinesen. Das hört sich so witzig an, wenn die Russisch sprechen! Leider versteht man kein Wort, aber da die Chinesen weder Deutsch noch Englisch können und ich wie es das Schicksal so wollte kein Chinesisch kann, läuft die Kommunikation eben auf Russisch. Aber wenigstens sitzt ein Deutscher bei mir im Kurs, mit dem ich nach dem Unterricht auch direkt mal mitgehe. Wir treffen uns mit zwei Österreichern und gehen fürs Abendessen einkaufen. Ich kaufe mir eine Sim-Karte, die anderen kaufen essen und kurze Zeit später spachteln wir im Wohnheim der polytechnischen Universität Rosmarinhähnchen mit Ofenkartoffeln.
Irgendwann schlafe ich im Sitzen ein, also gehe ich nach dem Aufräumen direkt nach Hause, lege mich ins Bett und schlafe zehn Stunden lang wie ein Stein.

Am Samstag gehe ich mit meinem Gastvater Essen kaufen und danach besorge ich mir im Elektroladen einen Wlan-Stick. Zuhause gibt es nämlich nur Internet übers Modem an Leonids PC in dessen kleinem Schlafzimmer. Ich brauche natürlich Internet in meinem Zimmer, wenn ich viele lange Nachrichten schreiben und regelmäßig mit meiner Herzdame über Skype telefonieren will. Der Stick kostet jedenfalls mit Prepaid-Karte für einen Monat gerade mal 790 Rubel, also 18 Euro oder so. Nicht schlecht, aber als ich das Biest in meinen Laptop stecke, rührt sich spontan einfach mal gar nix.

Also gehts am Sonntag ins Internet-Café, ich schreibe nochmal eine längere Email und lade was runter um den Fehler zu beheben. Erfolglos, weil ich nicht alles runtergeladen habe, was ich brauche. Was ein Mist. Meine größte Sorge ist mittlerweile, dass ich zuhause kein Internet habe und in meiner Kommunikation total eingeschränkt bin.


Deshalb gehe ich am Montag etwas früher los und nehme meinen Laptop mit. Über das Uni-Wlan lade ich mir runter was ich brauche und schon funktioniert alles!
Im Russischunterricht gibt es anlässlich des Valentinstages was zu Essen und wir machen nur ein paar Spielchen anstatt richtigem Unterricht.
Zuhause skype ich dann erst mal anderthalb Stunden lang und verbringe den Abend damit Emails zu schreiben.
Das Internet ist zwar manchmal noch lahmer als zuhause auf dem Dorf, aber wen juckt's.

Heute, am Dienstag, schlägt mir draußen eine Affenkälte entgegen. Ich überlege kurz, mit dem Bus zu fahren, beschließe dann aber doch den kurzen Weg zu laufen.
Der Weg von mir bis zur Uni dauert ungefähr eine Viertelstunde und auf der ersten Hälfte der Strecke ist es echt saukalt. Mein Körper ist warm, aber mein Gesicht ist ungeschützt und ich wärme mir an jeder Ampel mit den Wollhandschuhen das Gesicht. Als ich fast da bin, ist mein Gesicht wieder etwas wärmer und hat sich auch an den leichten Wind gewöhnt, dafür ist die Kälte durch meine Jeans komplett durchgekrochen. Die Nasenflügel kleben beim atmen zusammen und eine wärmere Mütze werde ich wohl auch noch brauchen, sonst friert mir die Schädeldecke ab. Darum kümmere ich mich gleich morgen. Aber zum Glück sind es in der Uni und anderen öffentlich Orten ja immer +30°. Da wird einem schnell wieder warm, haha.
Laut Internet waren es am Morgen draußen -26°, aber wie ich mir sagen lasse taugen die meisten Wetterdienste einen Dreck und es war ungefähr Zehn Grad wärmer. Heiliger Zwiebelring, wie soll das erst werden wenn es mal richtig kalt wird! Bei -20° packe ich meine Thermounterwäsche aus. Ab -30° ist man dann angeblich vor Kälte in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Wir dürfen also gespannt sein! Hauptsache ich hab warme Sachen an. Ich will mir ja nix abfrieren.

Endlich angekommen!

Montag, 14.02.2011

Da bin ich nun also. In Sibirien. Tomsk, um genau zu sein: http://de.wikipedia.org/wiki/Tomsk

 

Mittlerweile bin ich schon seit vier Tagen hier und fange langsam an, mich einzuleben. Aber fangen wir von vorne an.

 

Donnerstag, 10.02.2010 am Frankfurter Flughafen - nach einem schweren Abschied passiere ich die Sicherheitskontrollen und kann schon bald ins Flugzeug einsteigen. Von hier aus werde ich erst nach Moskau fliegen, dort ein paar Stunden warten müssen und dann schließlich weiterfliegen nach Tomsk. Elf Stunden dauert der Flug nach Plan. Überraschend finde ich, dass das Flugzeug nicht viel größer ist als ein Reisebus. Aber was solls, ich bin ja noch nie mit größeren Flugzeugen geflogen. Noch verwunderlicher aber finde ich, dass das Flugzeug auf der Strecke Frankfurt - Moskau höchstens halbvoll ist. Umso besser für mich, so habe ich die ganze Sitzreihe für mich alleine und kann mich ausstrecken.

Nach ungefähr drei Stunden und einem kurzen Schläfchen fliegen wir Moskau an. Mannometer, ist das ein Apparat! Und unten sieht man wie kleine leuchtende Würmer die Autoschlangen durch die Straßen fahren. Irgendwie witzig. Nachdem wir gelandet sind, cruist der Flieger noch eine geschlagene Viertelstunde zwischen den aufgetürmten Schneemassen hindurch, bis wir am schließlich am Gate ankommen. Von den -20°C in Moskau kriege ich allerdings nichts mit, weil wir durch eine Schleuse direkt ins Flughafengebäude laufen. Nachdem ich ungefähr hundert Taxifahrer abgewimmelt habe und wieder die Sicherheitskontrollen überwunden habe, muss ich noch drei Stunden warten und schon geht es weiter nach Tomsk. Diesmal ist der Flieger randvoll. Leider kein Platz zum ausbreiten, aber egal. Schlafen kann ich trotzdem.

Nach vier Stunden kommen wir pünktlich am 11.02. um 6:45 Uhr früh am Morgen am örtlichen Miniflughafen von Tomsk an. Sibirien! Wahnsinn! Aber es sind nur -6°C. Ist ja ein Witz... Meine Kontaktfrau Frau S. von der staatlichen Universität Tomsk erwartet mich schon mit einem Schild mit meinem Namen drauf in der Hand. Yeah, so wollte ich schon immer mal empfangen werden!

Draußen will ich schon wieder die Taxifahrer abwimmeln, aber Frau S. lässt sich von einem Fahrer ein Angebot machen nimmt an. Das sogenannte Taxi schließlich ist äußerlich überhaupt nicht als solches zu erkennen. Alt und klapprig ist es auch, das Lenkrad befindet sich auf der rechten Seite und über die Windschutzscheibe ziehen sich riesige Risse. Aber was solls, wenn das die örtlichen Gepflogenheiten sind... Auf der Fahrt gibt der Taxifahrer dann bei der ersten Gelegenheit Vollgas und überholt auf den einigermaßen geräumten Straßen ein Auto nach dem anderen. Kommt einer entgegen? Ist ihm scheißegal, er schert trotzdem aus und fängt sogar noch an zu hupen und grummelt irgendwelche Flüche in seinen Bart, wenn er wieder einscheren muss. Immerhin hat die vierzehn Kilometer lange Fahrt keine zehn Euro gekostet.

 

Nach einem halben Tag bin ich endlich in Tomsk angekommen, habe eine Nacht verpasst, höchstens vier Stunden im Flugzeug geschlafen und der Tag fängt gerade erst an. Ich bin hundemüde, aber froh, endlich da zu sein. Vor allem aber bin ich müde. Also geht es nach einem kurzen Frühstück mit meinem Gastvater Leonid und Frau S. für drei Stunden ins Bett. Um 12 Uhr muss ich dann schon wieder aufstehen, schnell duschen und werde von der Tocher von Frau S. abgeholt und zu Fuß mit zur Uni genommen.

Dazu später mehr!

Hier werde ich in den nächsten fünf Monaten über meine Erlebnisse berichten!

Sonntag, 06.02.2011

Sooo, ich hab mir gedacht, immer rundmails zu schreiben ist irgendwie blöd weil man ja nie weiß, wer das am Ende wirklich liest und wen es überhaupt interessiert.

Deshalb habe ich mir überlegt, stattdessen einen Reiseblog anzulegen und wen es wirklich interessiert, der kann hier nachlesen, was ich erzähle. Und wen es nicht interessiert, der lässt es eben sein. Persönlich schreiben, skypen oder was auch immer kann man ja zusätzlich noch tun!

Noch bin ich hier, aber am Donnerstag geht es los. Mal sehen, wann ich zum ersten Mal dazu komme, zu berichten!